Das Gesicht der Diktatur des Allgemeinen

(0013) Das Faltblatt zum Begehren der Politbürger “Kulturgut Essen”  zeigt das Gesicht der Diktatur des Allgemeinen, das Gesicht der vergangenen Zeit, das Gesicht der mechanistischen Epoche, das Gesicht des Dualismus. Wir die Guten und Auserwählten (Antirassisten, Attac-Aktivisten, Bioladenbesitzer, Gewerkschafter, Harz4-Aktivisten, Pfarrer-innen, Priester, Künstler, Occupy-Aktivisten) kultivieren die eigenartigen, schlechten Barbaren mit allgemeinem geistigem Sperrmüll und nehmen uns dafür das Geld der bösen, rechtsradikalen (= systemkritischen, geistig ungebundenen) Mittelschicht. Darum hätten die sogenannten ‘Kulturangebote’ im Stil der ehemaligen DDR für den aufgewachten Goethe-Aktivisten in den dort aufgeführten Einrichtungen keine Anziehungskraft. Die Ästhetik, also der Selbstbildungswert, ist gleich Null. Jedes Fragment dürfte eben wegen der ideologischen Bemalung und Einhauchung gleich aussehen, gleich riechen, gleich schmecken und sich auch gleich anfühlen. Hat man eines gesehen, dann hat man alle gesehen! Schon Goethe sagte in den “Maximen und Reflexionen”, IV, 875: “Was ist das Allgemeine? Der einzelne Fall. Was ist das Besondere? Millionen Fälle.” Was für alle gut ist, ist für keinen gut. Erst die Gleichschaltung der Wünsche und Vorlieben durch Hetze und Propaganda schafft den Citoyen, Komsomolzen, Sowjetbürger oder Verbraucher, der das Allgemeine und nicht mehr das Besondere nötig hat. Die Postmoderne aber will keine tote Kunst, keine Gängelei durch Sozialisten, will Beliebigkeit, Homeschooling, Selfschooling, Vielfalt der Lebensentwürfe, Religionsfreiheit, Sezession, Staatsferne. Den Staat als Knast der poetischen Evidenz gibt es nicht mehr, er hat es nur noch nicht realisiert. Wir werden ihm dabei helfen.

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