Über den Volkskrieg (I)
Über den Volkskrieg

Haiku: Die Gerechtigkeit – das Heilmittel der Polis – dafür kämpfen wir.

(688) Die Liebe, welche die Maoistin den Welterscheinungen schenkt, ist vorbehaltlos, eben, weil Sie auch eine Goetheanistin ist, auf das Wesen des betrachteten Phänomens gerichtet. Kann seine Form sich nicht in der Imagination der erkenntniskünstlerischen Rebellin rechtfertigen, ist sie reaktionär im Evolutionsgeschehen zurückgefallen, dann hat der Gegenstand sich dem Werdeprozess zu unterwerfen, der von der transzendenten Entelechie, dem absoluten Ich der Botschafterin aus Neu-Weimar, neo-situationistisch begleitet wird. Welches Urteil sie fällt, das bleibt allein ihr überlassen. Kulturautonom, autark und souverän entscheidet nur sie über die neue Ästhetik und die anzuwendenen Mittel, um den von ihr gewollten Einschlag in die Akashachronik herbeizuführen. Nach Mao tse-tung 1) sind Revolutionen und revolutionäre Kriege in einer Klassengesellschaft unvermeidlich. Sie sind nach seiner Aussage die “höchste Kampfform”, um zu einer “Lösung der Widersprüche” zu kommen, die sich im Gemeinwesen aufgetürmt haben. Haben jene eine ganz bestimmte “Entwicklungsstufe” erreicht, dann ist die notwendige Auseinandersetzung nicht mehr zu umgehen. Unmöglich ist der Schritt in die Zukunft, wenn die “reaktionären herrschenden Klassen” an der Macht bleiben. Auch teilt er die Kriege in gerechte und ungerechte ein. Wir Kommunisten, nicht Sozialisten (= Sozialfaschisten), sind mit ihm einig, daß Kriege, die den Fortschritt behindern, ungerecht sind. An gerechten Kriegen, die das Volk befreien, nehmen wir, wenn der Zeitpunkt dazu gekommen ist, selbstverständlich ohne zu zögern aktiv teil. Einst werden keine Kriege mehr nötig sein. Bis dahin aber, gilt es wachsam zu sein und dem Ruf des Gottes der Veränderung, Ares, erkenntnismutig Folge zu leisten, wenn die Situation für das universelle Goethevolk nicht mehr hinnehmbar ist. Schöpfen wir das poetologische Set, das zwischen der Kunstpraxis und dem blutigen Bürgerkrieg liegt, voll aus, damit Ares und sein unangenehmes Gefolge nicht auf den Plan treten muß. Immer ist es die Konterrevolution, die ihren eigenen Untergang herbeiführt, auch durch Inkaufnahme von Strömen von Blut, damit die Welt so stehen bleibt, wie sie bis dahin war.
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1) Mao tse-tung: Über den Volkskrieg. Verlag für fremdsprachige Literatur. Peking 1969. S. 1.

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